Mittwoch, 2. Oktober 2013

Wie die Zeit vergeht...

Genau ein halbes Jahr ist es nun her, dass ich für mich den Entschluss gefasst habe, kein Fleisch und keinen Fisch mehr zu Essen.
Möchte daher jetzt ein Resumé ziehen. Passend dazu auch das Lied "Ich ess Blumen" von den Ärzten.



Der große Fleischesser war ich ja noch nie, da ich den Geschmack nicht mochte und das ich um Fleisch zu haben ein Tier umbringen muss war mir schon immer zu wider. Der Ausschlaggebende Punkt war dann noch die Zustände in der Massentierhaltung und die Frage: "Warum esse ich eigentlich Fleisch?"
Die ersten Wochen ohne Fleisch waren ziemlich hart, weil die Routine drin war einfach zu Essen. Es war ein Dienstag, als ich angefangen kein Fleisch mehr zu Essen und am Freitag hatte ich Spätschicht. Habe es nicht geschafft mir Mittagessen zu machen und dementsprechend Hunger hatte ich circa eine Stunde vor Feierabend. Draußen war gerade die Party der Jugendlichen voll im Gange, wo auch gegrillt wurde. Ich wurde gefragt ob ich auch ein Würstchen möchte und habe Ja gesagt aus dem Unterbewusstsein heraus und da ich extremen Hunger hatte. War ein kleines Nürnberger Würstchen, aber schon nach dem halben war mir schlecht (habe das Fett im Fleisch nie gut vertragen) und das schlechte Gewissen kam. Ich glaube eine Woche später haben ich mir Schichtsalat beim Discounter gekauft nach der Arbeit und den dann auf dem Parkplatz noch gegessen, bis ich nach der Hälfte Stückchen gesehen habe, die nach Fleisch aussahen. Noch einmal genau auf die Zutatenliste geschaut und Tatsache, da war Fleisch drin. Habe den Salat dann allerdings nicht mehr weiter gegessen. Aber das waren so die einzigen Ausrutscher von meiner Seite aus.
Was wirklich extrem schwierig war, waren die vielen Grillfeste gerade auch am Anfang, da es für mich einfach dazugehörte ein Stück Hähnchenbrust zu Essen. Ich versuchte mich in Tofuwürstchen und anderes Fleischersatzzeugs mit dem Ergebnis, dass ich jetzt auch darauf verzichte. Wenn es Grillabende gibt, dann esse ich Gemüsespieße, Zuccini, die Fleisch freien Salate (Kartoffel- oder Nudelsalat) und vielleicht mal Räuchertofu. Denn Tofu gehört für mich nicht zu dem Fleischersatz an sich, denn das sollte und wollte Tofu nie sein.
Oma und Opa waren dann schon wieder eine Sache für sich Anfangs wurde mir Leberkäse angeboten. Auch letztens kam es vor, dass Oma mich fragte ob ich denn zu den Pellkartoffeln auch Leberwurst haben möchte. Opa fing schon an zu lachen und versuchte es zu unterdrücken, bis Oma dann doch bemerkte, dass sie mir gerade Fleisch angeboten hat. Ich glaube vor etwa 3 Monaten habe ich das letzte mal Fleisch gegessen in Form von Speck im Spinat. Oma ist es erst eingefallen, als der Speck schon drin war. Aber gut war, dass sie dachte: "Sag ich nichts, vielleicht merkt sie ja nichts." Habe davon aber nicht viel gegessen. 
Bei Oma und Opa esse ich auch noch Fisch, da ich jetzt schon stolz bin, dass es am Sonntag Spinat ohne Speck gab und eh sie dann noch verstehen, warum ich keinen Fisch mehr esse, da esse ich vielleicht einmal im Monat ein Stück Fisch.
Andere Leute haben es auch gut aufgenommen. Ich war glaub ich 3 Wochen später bei meinen Eltern und es gab Rinderfilet und mein Stiefvater hat dann extra für mich noch eine Dose Erbsen aufgemacht, damit ich nicht nur an Kartoffeln und Pilzsoße da sitze. Fand ich echt super nett.
Meine Freunde haben es auch gut aufgenommen. Die meisten Fragen die kamen waren: "Warum das denn?", "Und was isst du dann?" und "Bin ich ein schlechter Mensch, wenn ich Fleisch esse?"
Zur letzten Frage habe ich eine klare Position. Ich möchte niemanden vorschreiben, was er zu essen hat und was nicht. Ich verurteile niemanden nur weil er Fleisch isst. Ich lege dann nur meinen Standpunkt klar, warum ich es nicht tue und frage vielleicht mal nach, ob derjenige es schon versucht habe wenn die Aussage: "Ohne Fleisch könnte ich nicht leben" kommt.
Wie damals mit Miss X in der WG, die mir erklärte sie könne mich als Vegetarier verstehen, aber Veganer könne sie nicht verstehen. Nachdem ich ihr die Standpunkte klar gemacht habe, war sie anderer Meinung. Ich verurteile nicht, aber ich rege zum Nachdenken an.
Und zum Thema Vegan. Ich habe schon Ewigkeiten keine Milch mehr getrunken. Eier gab es Sonntag zum Spinat, aber vorher auch schon lange nicht mehr. Lediglich von Frischkäse komme ich nicht weg und ab und an mal einen "normalen" Jogurt. Ich denke mit der Zeit wird es schon noch dazu kommen, das sich Vegan werde, denn ich bin gegen die Massentierhaltung bei Fleisch, aber ich finde die Zustände bei der Milch- und Eigewinnung genauso schrecklich, wenn nicht sogar noch schlimmer. Und sowas kann ich nicht mit gutem Gewissen unterstützen.
Ich kann sagen, ich habe das halbe Jahr bisher sehr genossen. Ich denke ohne den Verzicht wäre ich nie auf den Geschmack der ganzen Urgetreide gekommen. In meinem Vorratsschrank stehen zur Zeit sowohl Couscous und Bulgur als auch Weizen Ebly.
Gibt es, was ich besser machen möchte? Ja ich möchte mehr schauen, was ich genau esse. Habe jetzt öfter unbewusst Gelatine gegessen, die in Frischkäse drin war. In Frischkäse... HALLO? Was sucht sie da drin? Also das ich bei Kartoffel- und Nudelsalaten aus dem Supermarkt auf die Zutatenliste schaue ist klar, aber bei Frischkäse? Muss ich da immer drauf schauen? Werde diese Sorte jetzt auf jeden Fall nicht mehr kaufen.
Klar ich nehme jeden Tag Gelatine zu mir über meine ADHS Medikamente, die ja in einer Kapsel sind. Und ich habe mir jetzt gesagt, ob ich die Kapsel mitesse oder sie wegschmeiße und nur das Pulver nehme es ist egal, denn das Tier ist trotzdem dafür gestorben und ich habe das schon mit dem Kauf des Medikaments unterstützt.
Aber in Frischkäse hat Gelatine nichts zu suchen!

In diesem Sinne auf ein weiteres halbes Jahr. Werde dann zum ganzjährigen nochmal ein Resumé schreiben ob ich in der Zwischenzeit Veganer geworden bin. Möglich ist alles.

Kommentare:

  1. Ich finde es immer schön wenn man eine Überzeugung vertritt und sich dann auch konsequent daran hält.

    Schlimm finde Ich dann nur die die den Anderen unbedingt Ihre Überzeugung aufdrücken müssen. Ich finde jeder sollte so leben wie er will. Wenn man kein Fleisch oder kein Fisch mehr essen will, ist das doch absolut OK. Ich kenn auch Leute die essen nur Rohkost. Wär auch nicht meines. Aber, und das ist das wichtigste, Ich respektiere es.

    Mach weiter so und lass dich nicht beirren, du weisst am besten was gut für dich ist.

    Grüsse von einem Kaiserslauterer in Dresden

    Philipp

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  2. Bei Kapseln hat es übrigens den Sinn, dass sie sich erst im Magen auflösen und nicht vielleicht schon im Mund oder der Speiseröhre.

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  3. @Penny: Das ist bei meinen Kapseln eher nicht der Fall, da die retard Wirkung über die Kugeln im inneren hervorgerufen wird. Und in der Packungsbeilage steht ja drin, dass man die Kapsel nicht mit essen muss.

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